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Interview „Marathon-Gespräch“ mit Manfred Steffny vom 08.09.05

Geboren:
14.08. 1941 in Trier

Beruf:
Chefredakteur des Spiridon Laufmagazins (das älteste Laufmagazin im deutschsprachigem Raum seit 1975, Buchautor, Lauftrainer und vor allem Mensch.

Persönliche Bestzeiten:
800 m 1:56,1 (1965),
1 000 m 2:28,7 (1963),
1 500 m 3:52,0 (1964),
3 000 m 8:18,0 (1967),
5 000 m 14:03,8 (1972),
10 000 m 29:06,8 (1972),
Marathon 2:16:45 (1972)

Dirk Schmidt: Herr Steffny, Ihr erster Erfolg als Läufer war bereits im Jahre 1955. Sie gewannen als 14-Jähriger die Kreiswaldlaufmeisterschaft der Schüler.Inwieweit hat das Laufen Ihr Leben verändert?
Manfred Steffny: Als schmächtiges Kerlchen, das auf einem Auge erblindet ist, hat mich das Laufen doch sehr geprägt, und hat mein Selbstbewusstsein auch sehr erhöht. Ich war nicht der Außenseiter in der Schule, sondern ein Gewinner. Meine Familie hat mich auch unterstützt beim Laufen, wir sind schon immer eine sehr sportliche Familie gewesen. Und so bin ich dahinein gewachsen als Jugendmeister und habe auch zum Sportjournalismus gefunden. Geschrieben habe ich schon immer, für die Lokalpresse schon mit 17 Jahren, und habe mich dann mehr auf den Sportjournalismus konzentriert. Und später, als sich die Möglichkeit ergab, speziell für Langstrecken zu schreiben, habe ich dies auch ausgenutzt. So führe ich schon 30 Jahre „Spiridon“ als Herausgeber und Chefredakteur.

Dirk Schmidt: Ihr erster Lauf war vor über 50 Jahren. Welche Unterschiede gab es damals zu heute in der „Laufbewegung“ Deutschland?
Manfred Steffny: Ja, das ist ganz einfach. Meinen ersten Lauf hatte ich in Vorkriegsrennschuhen meines Vaters gelaufen. Die waren vorne mit Zeitungspapier ausgestopft! Mehr brauche ich nicht zu erzählen.

Dirk Schmidt: Herr Steffny, wie sind Sie dann zum Marathonlauf gekommen?
Manfred Steffny: Es war so: 1960 hat mich Abebe Bikila sehr beeindruckt bei seinem Olympiasieg in Rom. Ich war damals knapp 19 Jahre alt. Ich sagte zu mir: „Dass musst du auch machen!“ Zumal Abebe Bikila eine ähnliche Figur hatte wie ich, sehr schlank - nur etwas größer als ich. Mir wurde klar , dass alle Strecken die ich bis dahin lief, zu kurz für mich waren und sagte mir:“. Eines Tages werde ich Marathon laufen.“ Und mit 20 als Rheinlandmeister über 10.000 m: „Wenn du 26 bist, läufst du Marathon!“

Dirk Schmidt: Und das haben Sie dann auch gemacht?
Manfred Steffny: Das habe ich dann auch gemacht, und diesen ersten Marathonlauf in Berlin gleich gewonnen.

Dirk Schmidt: Wie viele Marathons sind Sie gelaufen?
Manfred Steffny: Da müsste ich lügen, es sind immer ein paar mehr als ich alt bin, weil ich nicht mehr so viele Läufe mehr mache. Es müssten ca. 70 Marathons mit Ultraläufen gewesen sein.

Dirk Schmidt: Ja, das ist ja eine beachtliche Anzahl von Läufen!
Manfred Steffny: Ich lauf ja nicht 10 oder 20 Marathons im Jahr. Ich werde dieses Jahr noch in Athen den Marathon laufen. Da habe ich mir schon einen Flug besorgt, und die Anmeldung werde ich auch in den nächsten Tagen rüberbringen. Den klassischen Kurs auf neuer Straße habe ich im letzten Jahr bei den Olympischen Spielen gesehen, das hat mich doch gereizt, nachdem ich die alte Strecke schon zweimal vollendet habe. Und beim 100. Lauf Achillessehnen- Beschwerden schon vorher hatte, so dass ich wusste, ich konnte keinen Marathon laufen. So bin ich bis zum Grab der Gefallenen gelaufen, habe dort meinen Lorbeerzweig noch hingeworfen, zu Ehren der Gefallenen von Marathon 490 v.Chr. Und dann bin ich in einen Begleitbus eingestiegen, das war aber vorher geplant. Ich hatte mein Startgeld bezahlt, dann will ich wenigstens das zumindest ausnutzen bis Kilometer 9.

Dirk Schmidt: Herr Steffny, was treibt Sie immer wieder an, diese Distanz eines Marathons zu laufen?
Manfred Steffny: Es ist doch immer eine besondere Prüfung. Da muss man sich zusammen reißen. Man muss auf sein Gewicht und auf seine Lebensführung achten. Wenn man immer nur so ein Stündchen vor sich herläuft im Training, dann ist das doch nicht so befriedigend. Man muss schon einmal an seine Grenze herangehen, selbst wenn der Marathon dann langsamer gelaufen wird. Wenn ich dann Marathon laufe und habe noch für zwanzig Minuten schneller Luft, so ist aber immer anstrengend, weil eben ab 35 Kilometer die Stoffwechselkrise kommt.

Dirk Schmidt: Wie überwinden Sie Ihren „inneren Schweinehund“, wenn der schon mal hochkommt. Gibt es da einen Tipp oder Trick den Sie verraten möchten?
Manfred Steffny: Nein, ich habe auch nicht immer die gleiche Freude loszulaufen. Sondern manchmal ist es auch eine Verpflichtung. Aber man wird auch entschädigt durch wundervolle Trainingsläufe. Ich laufe sehr gerne in fremden Städten und erobere mir im Laufschritt so eine Stadt. Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Tagen in San Sebastian an der Bucht „La Concha“ war. Da bin ich zuerst 1000 Meter geschwommen, und dann bin ich an dem herrlichen Sandstrand, mit tollem Ausblick barfuss mehrfach hin und her ausgelaufen. Als ich dann fertig war, war ich schon trocken. Das war ein sehr schönes Erlebnis.

Dirk Schmidt: Angenommen ein „Untrainierter“ liest unser Interview, und gewinnt Interesse und Neugierde am Laufen. Was würden Sie diesen Menschen empfehlen?Worauf sollte ein „untrainierter“ Läufer achten?
Manfred Steffny: Dass er möglichst langsam läuft und seine Strecke in der Länge an Kilometern oder in Minuten ständig erhöht. Am besten merkt man das bei Wendepunkt-Läufen Ein Zen-Philosoph hat mir mal seinen Trick verraten: „Lauf 10 Schritte und jeden Tag einen mehr!“. Der Mann war hoch in den Achtzig. Der kam dann schon auf ein beachtliches Pensum.

Dirk Schmidt: Herr Steffny, mit Ihrer Erfahrung, was würden Sie Menschen empfehlen, die zu Beginn Ihrer zweiten Lebenshälfte eine neue Herausforderung oder eine Sportart suchen. Ist das Laufen für diese Menschen geeignet?
Manfred Steffny: Das Laufen ist natürlich sehr geeignet. Sie sollten aber nicht nur an Marathon denken. Da haben wir oft schon böse Überraschungen erlebt, dass die Leute eben bis Halbmarathon zwei Stunden liefen und dann noch dreieinhalb Stunden zu Fuß gelatscht sind. Und das ist nun wirklich unbefriedigend, sowohl für Außenstehende, die solche Bilder sehen, als auch so meine ich, für den Läufer selber, der ja doch etwas mehr will als seine billige Medaille im Ziel. Und es heißt immer noch Marathon- L a u f . Das heißt, man sollte sich aufbauen durch Teilnahme an mindestens zwei Volksläufen vorher. Wobei ich empfehlen würde, 10 Kilometer und Halbmarathon. Und mindestens einen Winter durchtrainiert haben. Nicht im Frühjahr anfangen und im Herbst Marathon laufen. Sondern im Frühjahr anfangen zu trainieren und im nächsten Frühjahr den Marathon laufen. Also, die Minimum-Anforderung ist ein Jahr Training. Der ganze Körper, die Zellen, die Muskeln und die Organe gewöhnen sich nicht so schnell an das Laufen. Das bekommt man alles richtig mit im 3. Laufjahr. Und wer früher Marathon läuft und dann wieder aufhört, der hat sich um ein wirkliches Erlebnis betrogen.

Dirk Schmidt: Also gibt es für Sie keine „Altersbegrenzung“ nach der Interessierte nicht mehr mit dem Laufen beginnen sollten?
Manfred Steffny: Nein, das Alter ist überhaupt gar keine Begrenzung, sondern meine orthopädische Verfassung. Wenn ich also einen schweren Beckenschiefstand habe, oder habe eine Beinverkürzung von mehreren cm, dann ist Laufen vielleicht nicht so gut. Dann sollte ich eben stattdessen einen anderen Ausdauersport, wie Radfahren ausüben. Und ansonsten kann man auch mit 7 Km/H durch die Gegend laufen. Wer langsamer ist, der soll halt walken.

Dirk Schmidt: Sie sprachen am Anfang unseres Gesprächs von Ihrem Vorbild Abebe Bikila. Haben Sie heute noch Vorbilder, die Sie antreiben, oder nach denen Sie schon mal orientieren?
Manfred Steffny: Nein, habe ich nicht mehr. Man wächst ja darüber hinaus und man ist eine eigene Persönlichkeit. Um noch einmal auf den Bikila zurückzukommen, Abbebe ist sein Hauptname in Äthiopien. Ich stand in diesem Jahr in Addis Abbeba an seinem Grab. Der gute Mann, er hat ja durch einen Autounfall eine Querschnittslähmung erlitten und hat dann allmählich abgebaut, obwohl er noch als Bogenschütze versucht hatte, sportlich aktiv zu sein. Und ist dann eben auch früh verstorben, das ist eine Tragik. Er hat zwei olympische Goldmedaillen gewonnen. Er wäre ein reicher Mann geworden, wenn er in der heutigen Zeit gewonnen hätte. Er hatte damals nichts bekommen, nur eine Beförderung und einen Orden. Und hatte zum Teil noch politische Schwierigkeiten durch den Machtwechsel in Äthiopien. Und die Familie lebt heute in sehr, sehr bescheidenen Verhältnissen. Der eine Sohn ist teilweise auch in Deutschland gewesen als Asylbewerber und ist dann aber wieder zurückgekehrt. Es ist eben auch tragisch, dass so ein Vorbild praktisch außer den sportlichen Siegen und dem Ruhm nichts gebracht hat.

Dirk Schmidt: Gibt es für Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrem Körper und Ihrem Geist beim Laufen?
Manfred Steffny: Ja, einen sehr vitalisierten und belebenden Eindruck. Wenn ich also laufe, bin ich mit Sauerstoff durchflutet. Das Blut fließt entsprechend schneller, ich atme 5-mal mehr, und das wirkt sich natürlich auf Geist und Seele aus. Immer positiv, wenn ich mich in dieser Dreiviertel-Belastung befinde. Wenn ich aber an die submaximale oder die maximale Belastung herangehe, dann wirkt das auch nicht mehr so belebend. Das sollte man sich für die wenigen Wettkämpfe aufsparen. Die besten Einfälle habe ich meistens beim Laufen, und da bin ich auch geistig immer noch so da, dass ich das am Ende des Laufs noch behalten kann. Ich brauche also noch keinen Bleistift für unterwegs.

Dirk Schmidt: Die Ideen, die Ihnen beim Laufen kommen merken Sie sich dann auch?
Mandred Steffny: Ja. Hier im Haus habe ich in der ersten Etage mein Hauptbüro und in der dritten Etage habe ich ein Appartement. Wenn ich dann die Treppen hoch laufe - und ich laufe die immer hoch - dann fällt mir gerade eine Überschrift ein.

Dirk Schmidt: In Ihrer aktuellen Ausgabe von „Spiridon“ schreiben Sie als Überschrift: „Verletzung als Herausforderung“. Das ist ja eine sehr interessante Sichtweise, die Sie da haben! Es gibt ja auch einige Menschen, die sehen eine Verletzung als eine Niederlage an?
Manfred Steffny: Ja , ich wollte ich an meinem eigenen Beispiel nach einem Mittelfußbruch zeigen, wie man Rückschläge bewältigen kann. Denn ich kenne genug Läufer, die nach einer Verletzung die Waffen gestreckt haben und versucht haben, ein- bis zweimal wieder anzufangen, und haben es dann sein lassen. Und enttäuscht dann auch die Zeitschrift abbestellt haben, da sie mit Laufen nichts mehr zu tun haben wollten. Und dann nach 3 bis 4 Jahren haben sie sich dann doch wieder am Riemen gerissen und doch wieder angefangen. Und sagen dann: „Hätte ich das bloß früher gemacht, damals hätte ich mich durchbeißen müssen.“ Wenn ich einen Hindernislauf sehe, und ich sehe jemanden am Wassergraben stürzen und der holt das auf in der nächsten Runde auf, dann ist das ist mein Mann, dem wünsche ich dann den Sieg, der mit dem Zwischenspurt eben geantwortet hat, und nicht in Depressionen verfallen ist:“ Ach habe ich ein Pech, jetzt bin ich abgefallen!“ Sondern: „Jetzt erst recht!“ Das ist eine Einstellung, die muss man in unserem Leben haben.

Dirk Schmidt: Sie würden auch sagen: “Viele Einstellungen vom Laufen transportieren Sie auch in den „normalen“ Alltag, in das tägliche Leben?“ 
Manfred Steffny: Ja, das ist so. Man spricht da von einem Transfer. Das ist unter Physiologen und Philosophen zum Teil umstritten, was ich nicht verstehen kann. Es gibt natürlich den umgekehrten Fall, dass jemand übermotiviert ist, durch sportliche Erfolge eben meint, er könnte da ohne weiteres den Anschluss in der Gesellschaft gewinnen und dann unter den Ausgangspunkt zurückfällt. Das ist aber nicht die Regel. Die Regel ist, dass man durch sportliche Erfolge auch einen besseren Anschluss an das berufliche und gesellschaftliche Leben bekommt.

Dirk Schmidt: Herr Steffny, Sie sagten ja schon: „Die besten Ideen kommen Ihnen beim Laufen!“Wie wichtig sind Ziele für Sie beim Laufen? Arbeiten Sie mit Zielen in der Vorbereitungszeit, oder arbeiten Sie eher aus dem „Bauch“ heraus? 
Manfred Steffny: Ja, ich schreibe selber Pläne und habe natürlich auch Aufzeichnungen über früheres Training. Aber ich muss sagen, dass ich für mich persönlich die Bausteine, die ich kenne, heutzutage doch relativ improvisiere. Die Pläne sind wichtig für Leute, die ihren Körper nicht kennen.

Dirk Schmidt: Gibt es in Ihrer sportlichen Karriere noch einen Wunsch oder Traum des Sie sich noch erfüllen möchten? 
Manfred Steffny: (lacht) Ja, ich möchte mal den Stieren von Pamplona davonlaufen. Das möchte ich noch in meinem Leben erleben. Das sage ich immer gerne, um meine Frau zu ärgern und die sagt dann:“ Um Gottes Willen, nur nicht, die überrennen dich!“

Dirk Schmidt: Gibt es ein Lebensmotto, oder einen „Satz“ nach dem Sie leben?
Manfred Steffny: Nein. Da erfinde ich alle paar Monate etwas Neues. Ich bin gerade daran, wieder etwas Neues zu finden.

Dirk Schmidt: Wenn dieses Interview ein Politiker oder ein Manager lesen würde, was würden Sie den deutschen Politikern oder Manager empfehlen mit Ihrer Lauf-Erfahrung? 
Manfred Steffny: Die sollen nicht zu sehr mit dem Kopf herangehen an das Laufen. Sondern mehr aus dem Bauch heraus. Wenn ich einem Manager erkläre, du brauchst einen Herzfrequenzmesser und dann musst du in einem bestimmten Pulsbereich laufen und wenn es dann piepst, ist es verkehrt, so leuchtet dem alles ein. Der sagt sofort: “Ja, das ist es!“ Dabei müsste er zuerst einmal seinen Instinkt entwickeln und ein Gefühl dafür, ob etwas weh tut, ob sich Muskeln entwickeln, ob sich ein Schritt verlängert. Anstatt auf eine so blöde Maschine zu starren und sich von der leiten zu lassen. Das sehen wir immer wieder: der „Ingenieur-Typ“ und der „Manager-Typ“ gehen zu intellektuell an das Laufen heran.

Dirk Schmidt: Gibt es hier einen Unterschied zwischen Frauen und Männer?
Manfred Steffny: Ja! Die Frauen wissen sich besser einzuschätzen als die Männer. Und weil sie auch etwas vorsichtiger sind, kommen sie damit besser zurecht. Ich habe nicht umsonst gesagt: „Man sollte langsam laufen!“ Ein Mann läuft zuerst einmal so schnell wie er kann, und so lange er kann. Die Frau versucht es mit langsamen und unsicheren Schritten und wird dann immer schneller und findet irgendwie viel besser ihr Tempo als ein Mann. Das habe ich als Trainer auch sehr oft gesehen. Aber dann habe ich eben auch gemischte Laufgruppen mit Männern und Frauen gesehen. Die Frau ist bekanntlich im allgemeinen 10 Prozent schwächer von der Leistung her, was durch die Grundschnelligkeit und durch den gesamtkörperlichen Aufbau bedingt ist. Wenn vier Männer sind und eine Frau laufen, hechelt die eine Frau oft hinterher und meint, sie müsste da mitlaufen und sie läuft dann mit 90 % Belastung und die Männer mit 75% Belastung. Da muss man sagen: “Mädchen lass dich zurückfallen, lauf dein Tempo.“ Oder zu den Männern: “Nun nehmt doch mal Rücksicht auf die Frauen und lauft deren Tempo.“ Und deswegen erleben wir oft, dass in gemischten Gruppen Frauen frustriert sind. Es sei denn, sie ist wirklich und eindeutig ein Talent.

Dirk Schmidt: Herr Steffny, Sie sprachen das „Mentale“ an. Wenn ein Sportler austrainiert ist, er hat über Jahre hinweg sein Training absolviert, wie wichtig ist die mentale Vorbereitung auf einen Wettkampf? 
Manfred Steffny: Das ist ungeheuer wichtig! Und zwar je länger die Strecke ist, die Rennstrecke, die man zurücklegt, umso mehr muss man sich vorbereiten und das Ganze über Tage hinweg.Es gibt natürlich unruhige Typen, die sagen: „Da steht: du sollst die letzten Tage kaum noch etwas machen.“ Die sind dann unruhig und fangen dann an, neue Schnürriemen oder Socken auszuprobieren oder säbeln an ihren Schuhen herum. Die sollten sich dann mental auf den Lauf vorbereiten. Die Uhrzeit bedenken und die Länge der Strecke. Nicht essen zu diesen Zeiten, um dann eben nicht während des Rennens den Hungerast zu bekommen. Auch noch mal Seelenfrieden vor dem Rennen finden, einen Streit, den man vielleicht hatte, beilegen. Nicht mit unguten Gefühlen in ein Rennen gehen. Das ist alles extrem wichtig. Und das ist wichtiger, als ob ich mir jetzt ausrechne, dass ich mit Puls 156 die Strecke zurücklegen sollte, wie mir das irgendwo ein sogenannter Experte ausgerechnet hat.

Dirk Schmidt: Dann spielt das Mentale schon eine wesentliche Rolle beim Laufen? 
Manfred Steffny: Ja. Es gibt Leute wie der Professor Noakes aus Kapstadt, meines Erachtens der größte Sportmediziner, Experte und aktiver Läufer bis einschließlich Comrades Marathon (das sind 90 Kilometer), der sagt: „Der Kopf ist wichtiger als der Pulsschlag und ist wichtiger als der Laktatwert!“Der Kopf bestimmt, da ist natürlich auch der Geist mit drin.

Vielen herzlichen Dank Herr Steffny für das interessante Gespräch!

Ein Zen-Philosoph hat mir mal seinen Trick verraten: „Lauf 10 Schritte und jeden Tag einen mehr!“.
Chefredakteur des SPIRIDON-LAUFMAGAZINs
Buchautor, Lauftrainer und vor allem Mensch.